Busfahren leicht gemacht

Bei einem Großteil der Menschen auf diesem Planeten frage ich mich manchmal, ob diese Menschen überhaupt nachdenken, bevor sie handeln. Dabei muss ich gar nicht großartig suchen, oder die Entscheidungen von Politikern und anderen weltfremden Wirrköpfen hinterfragen: Die Intelligenz scheinen die meisten Menschen schon beim Verlassen der eigenen vier Wände abzugeben.

Und auch hier ist die Suche nur sehr kurz, bei vielen Menschen scheitert es schon bei so einfachen Tätigkeiten, wie dem Fahren mit einem Bus des öffentlichen Persohnennahverkehrs. Also, nicht als Fahrer, sondern als Passagier. Für Bahnen des ÖPNV (wobei das dann ja SPNV, im Gegensatz zu den Bussen, ÖSPV) gilt das Selbe.

Tagtäglich erlebe ich folgende Situation: Der Bus fährt in die Haltebucht ein, noch bevor er vollständig steht, drängen die Wartenden bereits zur Tür, natürlich zur hinteren. Hier in Hamburg ist das so, dass bei den Bussen hinten der Ausstieg ist, eingestiegen werden soll vorne. Ein Konzept, das, wenn sich alle dran halten würden, wunderbar funktionieren würde.

Also, die Leute drängeln vor der Tür rum, und lassen eine kleine Gasse frei, für die Leute, die aus dem Bus aussteigen wollen. Die Tür öffnet sich und – nichts passiert. Denn es gibt immer einige viele Leute, die einfach nur im Türbereich des Busses rumstehen, obwohl sie gar nicht aussteigen wollen (später mehr).

Wenn sich die Fahrgäste, die aussteigen wollen, einen Weg durch die Fahrgäste, die zwar im Türbereich stehen, aber nicht aussteigen wollen, gebahnt haben, müssen sie noch durch die Gasse, die die Fahrgäste, die einsteigen wollen, gelassen haben. Da denen, die noch draußen stehen, das aber zu lange dauert, fangen sie schon an, einzusteigen, das heißt, sie drängen noch mehr zur Tür hin, während die, die Aussteigen wollen, aussteigen.

Nach einigem Gedränge raus und rein und im Türbereich generell sind alle, die raus wollen, raus, und alle die rein wollten, drin. Nun geht es hier aber gleich weiter. Schon von außen wurde argwöhnisch taxiert, wo man am besten sitzen kann. Jeder Fahrgast versucht nun, möglichst schnell, den von ihm als sein persönliches Eigentum betrachteten Sitzplatz zu erstürmen.

Hier in Hamburg sind die Busse so aufgebaut, dass die Sitze in zwei zweier-Reihen mit Mittelgang angeordnet sind. In der Mite beim Türbereich ist Platz für einen Kinderwagen und einen Rollstuhl. Man kann also grob sagen, dass die Sitzreihen in insgesamt in Viertel unterteilt werden können. Je Viertel ist eine Sitzreihe gedreht, so dass ein Bereich mit vier Plätzen entsteht, die einander zugewandt sind.

Nun ist es also so, dass einige dumm im Eingangsbereich rumstehen, und andere versuchen, „ihren“ Platz zu bekommen. Selbstverständlich liegt dieser Platz zum Gang hin, damit blos niemand neben einem Sitzen kann, man müsste sich dann ja einschränken, und so viel Platz frei machen, dass der andere auch noch sitzen kann.

Bei den „Vierern“ ist das auch so. Egal, was frei ist, es wird sich selbstverständlich immer in Fahrtrichtung auf der Gangseite hingesetzt, und die Füße so weit vorgestreckt, dass gegenüber keiner mehr sitzen kann.

Btw. lieber HVV, dieses Verhalten ist auch mit den diversen neuen Innenraumaufteilungen der Metrobusse nicht besser geworden.

Wenn man tagtäglich den ÖPNV nutzt, gewöhnt man sich recht schnell an dieses Verhalten. Problematisch wird es erst, wenn die Türraumrumsteher mit unvorhersehbaren Situationen konfrontiert werden, zum Beispiel, wenn ein Rollstuhlfahrer, oder jemand mit einem Kinderwagen den dafür vorgesehenen Platz benutzen will.

Die Türraumrumsteher stehen nämlich nicht deshalb im Türraum rum, weil sonst keine Stehplätze mehr frei wären (die Stehplätze befinden sich auch in dem Mittelgang, je nach Innenraumaufteilung bis zu 68 Stehplätze insgesamt), sondern aus irgendwelchen, nicht nachvollziehbaren, Gründen. Vielleicht, weil sie möglichst nah am Ausgang stehen wollen, um auch ja als erster den Bus verlassen zu können, auch, wenn das erst in zehn Stationen der Fall ist.

Also, der Rollstuhlfahrer kommt, und dann kann man folgendes beobachten: Die Türraumrumsteher gucken skeptisch, und anstatt Platz zu machen, oder gar auszusteigen, um den Rollstuhlfahrer rein zu lassen, und danach wieder einzusteigen, deuten sie lediglich an, Platz zu machen, bewegen sich dabei aber keinen Zentimeter.

Das sieht immer ziemlich lächerlich aus, 15-20 Leute wackeln ein paar mal hin-und-her und nichts ist geschehen. Schließlich klappt es dann aber meistens doch, weil der Rollstuhlfahrer sich seinen Weg bahnt. Das passt den Türraumrumstehern natürlich nicht, aber den Rollstuhlfahrern ist das meist natürlich – zu Recht – relativ Scheißegal.

Der Türraum, bzw. die beiden freien Flächen, die von den Türraumrumstehern als Stehplatz genutzt werden, sind eben für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen. Natürlich werden beim Platzmachen für ebendiese, die Stehplätze, die sich durch den gesamten Bus ziehen, nicht genutzt, sondern alle, drängen sich möglichst nach an die letze Haltestange vorm Türbereich.

Folgende drei Varianten habe ich formuliert, um diesem Stress zu entgehen, von diesen drei Varianten ist die erste Utopisch, die zweite dumm, und die Dritte die einzig anwendbare.

Bei der ersten Variante müssen ALLE Fahrgäste aktiv mithelfen. Dazu ist es nötig, sich zu allererst mal an das zu halten, was an den Busen dran steht. Nämlich: „Einstieg Vorne“. Und hinten dann wieder raus. Zudem darf das Möglichst-­weit-weg-von-allen-anderen-Personen-Verhalten nicht Oberhand gewinnen. Jeder hat einen Sitzplatz, und zwar den, der – so steht es ebenfalls im Bus („Bitte nach hinten durchgehen“) – ganz hinten liegt.

Die Sitzplätze werden dann von hinten links bis nach vorne rechts gefüllt. Und zwar, ohne Lücken zu lassen, egal, wie viel Platz vorne auch sein mag, jeder neue Fahrgast belegt immer den Sitzplatz, der am weitesten hinten links liegt. Wenn alle Sitzplätze gefüllt sind, wird mit den Stehplätzen genau so verfahren.

Da die erste Variante nicht funktioniert, da Menschen gegenüber Fremden abgeneigt sind, jedenfalls in diesem Umfeld, und zu viel Besitzdenken mit in den ÖPNV nehmen („Ich habe eine Fahrkarte, also steht mir gefälligst auch ein Platz zu“, und dann natürlich ein Vierer für sich alleine, damit alle Taschen und die Füße es auch bequem haben…), kann man sich dem auch einfach fügen.

Da heißt, ebenfalls an der erschätzten Position des Ausgangs vom gerade in die Haltebucht einfahrenden Bus rumlungern, sich mit den anderen Fahrgästen so positionieren, dass kaum Platz für’s Aussteigen ist und sich dann reinquetschen.

Und wenn man als erster drin ist, so hinstellen, dass noch weniger Platz für die ist, die noch draußen stehen. Und natürlich, bei Möglichkeit, einen Vierer komplett blockieren.

Aber da man dann nicht besser wäre, als der Rest, gibt es noch eine dritte, meiner Meinung nach, sinnvolle, Variante: Passivität. Wenn der Bus einfährt, bleibt man einfach Sitzen, oder stehen, und wartet, bis der Ein-/Aussteige-Vorgang zu etwa 90% abgeschlossen ist, geht dann gemütlich zum Ausgang, und steigt dort ebenfalls ein.

So steht man erstens nicht mitten im Gedränge, und kann zweitens bei Bedarf schnell mal aussteigen, wenn jemand raus will, und die Idioten Türraumrumsteher mal wieder keinen Platz machen, und man selbst aber so höflich ist, und Platz macht. Das geht natürlich nur, wenn man direkt an der Tür steht.

Gut, um Platz zu machen, muss man erstmal Platz machen können, was wie bereits angesprochen, nicht geht, da die Einsteigewilligen nur eine schmale Gasse lassen. Aber ich habe da eine gewisse „Härte“ entwickelt: Wer keinen Platz macht, wird weggedrückt. Also nicht grob geschubst, sondern einfach weg gedrückt.

Passt den Freaks Leuten natürlich nicht, aber das ist mir egal, dann sollen sie nicht vorm Ausgang rumlungern, wenn sie nicht mit Aussteigenden konfrontiert werden wollen.

Bei Möglichkeit gehe ich natürlich in den Bus rein, und bleibe nicht im Türbereich stehen. Auch das passt einigen Fahrgästen nicht. Ganz besonders genervt sind sie immer, wenn ich mich dann auch noch „erdreiste“ mich neben sie zu setzen (nicht alle blockieren einen Zweier, indem sie sich auf den Platz am Gang setzen), das sehe ich immer gut aus den Augenwinkeln, und habe meinen Spaß dran.

Beim Aussteigen verhalte ich mich auch so, ich lasse die Leute erstmal machen. Wenn etwa 80% der Aussteigewilligen ausgestiegen sind, fange ich ebenfalls an, auszusteigen, so komme ich zwar schon in den Strom jener, die Einsteigen, obwohl noch Ausgestiegen wird, aber ich sagte ja schon: Einfach wegdrücken.

Alle, die sich jetzt beleidigt fühlen sollten: Zu Recht! Denkt mal drüber nach, wenn ihr das nächste Mal mit dem Bus fahrt!

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